Der Turmfalke zählt neben dem Mäusebussard zu den häufigsten Greifvögeln in Deutschland.  Vom Nabu Selfkant wurde zusammen mit dem Mühlenverein ein Projekt generiert, das die Installation einer speziellen Greifvogelnisthilfe im Rumpf der Breberener Mühle zum Ergebnis hatte. Das Nest ist mit einer Webcam ausgestattet, so dass sich das Brutgeschäft Live verfolgen lässt. Mit einem entsprechenden Teleobjektiv oder Fernglas werden interessante Details aus dem Leben dieser Vögel erlebbar.

Die Paarungszeit bei Turmfalken ist von April bis Juni. Während des Brütens wird das Gelege oft verlassen, das Weibchen sitzt erst dauernd auf den Eiern, wenn das Gelege vollständig ist. Das Männchen versorgt das Weibchen auf dem Gelege. Nach 28 – 31 Tagen schlüpfen die Jungvögel.

 
23.4.22 – erstes Ei im Nest gesichtet
30.5.22 – erster Falke geschlüpft

Das Weibchen füttert die junge Brut, das Männchen ist für die Nahrungsbeschaffung verantwortlich. Die Nahrungsübergabe erfolgt an einer nahe gelegenen Futterübergabestelle oder direkt im Horst. Zu Beginn der Nestlingszeit habe ich oft beobachtet, dass das Männchen Mäuse in den Horst bringt und sofort wieder davon fliegt. So liegt die Vermutung nahe, dass die Nahrungsübergabe der Breberner Falken direkt im Nest erfolgt.

 

15.6.2022 Der erste Blick über den Nestrand, jetzt beginnt die interessante Zeit des Beobachtens und Fotografierens vor Ort. 

Zwischen den Anflügen zum Nest sitzen die Altvögel oft auf einem nahegelegenen Orientierungsschild. Ein weiterer Ruheplätze der Altvögel sind die Straßenlampen neben dem Cafe.

Erst wenn sie dort verschwunden sind, heißt es Augen auf und die Kamera auf das Nest positionieren. In der Regel dauert es mindestens 30 Minuten ehe sie wieder mit Beute erscheinen. Um die Mittagszeit ist Aktivität am geringsten.

Das Weibchen füttert die Jungen zunächst nur mit dem Muskelfleisch der Mäuse. Nach ungefähr zwei Wochen übernimmt die Nahrungsaufbereitung der Nachwuchs selbst. Ab diesem Zeitpunkt füttern beide Elternteile direkt. In ihrer Gier verschlucken die Jungfalken die Mäuse oft völlig unzerteilt. Dies wurde insbesondere 2021 beobachtet. Der Nachwuchs aus dem Jahr 2022 zeigte dieses Verhalten nicht. Hier wurde gesehen, dass die Falken sich die Mäuse „brüderlich“ teilen.

Eine Maus wird im Ganzen verschluckt
"brüderliches" teilen

Zwischen den Mahlzeiten haben die Jungvögel ein großes Ruhebedürfnis. Nach ca. 20 Tagen hat der Falkennachwuchs sein volles Gewicht erreicht. Bis dahin heisst es fressen, fressen und fressen. Für die Altvögel ist ein hartes Stück Arbeit.

Ca. 3 Wochen nach dem Schlupf wird das Flügeltraining immer intensiver und der Tag, dass der erste Falke das Nest verlässt rückt immer näher.

Genau 27 Tage nachdem sie das Licht der Welt erblickt hatten, flog der erste Falke am Abend des 27.6. 2022 aus dem Nest. Josef Ars war in diesem Moment vor Ort und ihm gelang das erste Foto.

Große Strecken fliegen sie noch nicht. Sie sitzen in unmittelbarer Nähe der Mühle oder auf dem nahe gelegenen Dach des Cafes. Da sie noch kaum Scheu vor dem Menschen haben, ist die Fluchtdistanz recht klein und es bietet sich die einmalige Möglichkeit für schöne Falkenportraits.

Die Altvögel sitzen in der Nähe der Mühle oder auf den Flügelspitzen der Mühle und haben die Jungen immer im Blick. Mit den ebenfalls in der Mühle nistenden Dohlen herrscht Einvernehmen. Saatkrähen, die es in der Nähe der Mühle in großer Stückzahl gibt, werden attackiert.

Die Flugkünste der jungen Falken sind noch nicht perfekt, verbessern sich jedoch von Tag zu Tag.

Dann kommt der Tag, wo auch der letzte Falke das Nest verlassen hat. Die Aufenthalte an der Mühle werden immer weniger. Die Altvögel füttern die Jungen noch eine Weile  bis sie völlig selbstständig sind.

Für mich bleiben die Erinnerungen an schöne Stunden an der Breberner Mühle und die Vorfreude auf das nächste Jahr.

Uwe Huchel

PS: Auf meiner Homepage finden Sie weitere Bilder aus der diesjährigen Saison

Das Jahr 2022 kann auf eine erfolgreiche Brut von 6 Falken verweisen

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