Das mit dem Kies

In den letzten 20 Jahren ist es immer beliebter geworden, Blumenbeete und Rasenflächen durch Kiesschüttungen zu ersetzen. Es scheint modern, das Zweitauto braucht einen Stellplatz und es ist bestimmt auch weniger Arbeit, also schließe ich mich diesem Trend gerne an, so die landläufige Meinung.  Außerdem haben meine Nachbarn das auch schon gemacht. Das Ergebnis sind ganze Straßenzüge, die ziemlich trostlos aussehen, im Sommer Hitze abstrahlen und kein Leben zulassen. Warum macht man das? Dieser Frage ist Marcell Schürgers mal nachgegangen.

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Wenn man diese „Kiesgärten“ mal genauer betrachtet, stellt man fest, dass sie gar nicht so praktisch sind, wie alle meinen. Die Kosten um eine solche Kieswüste anzulegen sind etwa genauso hoch wie das Anlegen eines Blumenbeetes. Daran kann es also nicht liegen, dass das so viele machen.

Was die Pflege angeht sollte man wissen, dass man Unkrautvernichtungsmittel auf dem Privatgrundstück nicht verwenden darf, das ist gesetzlich verboten und kann mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld bestraft werden. Das heißt also, wenn ich mein Grundstück mit legalen Mitteln in Ordnung halten möchte, muss jedes unerwünschte Pflänzchen von Hand entfernen werden. Dabei ist es so, dass Samen von Wildkräutern in groben Splitt besonders gerne hängen bleiben. Es macht also viel Arbeit, sogar mehr als ein Blumenbeet.

Ein weiterer Punkt sind die sehr heißen Sommer der letzten Jahre. Alles aus Stein heizt sich in der Sonne extrem auf, und dadurch wird auch die Umgebung aufgeheizt. Eine Rasenfläche wird nie so heiß wie das Pflaster oder der Kies nebendran. In einer Straße, in der es viele Grünflächen oder sogar Bäume gibt, ist es im Sommer kühler als in Straßen, in denen es nur „Kiesgärten“ gibt.

Dann sind da noch unsere Insekten. Jeder hat schon etwas vom Insektensterben gehört, und das ist wissenschaftlich bestätigt. Durch die fehlenden Insekten werden auch unsere Gartenvögel immer weniger. Bei diesem Thema zeigen immer alle auf die Landwirtschaft, die sicherlich nicht ganz unbeteiligt ist. Aber das wäre zu einfach. Die Kieswüsten sind für unsere Tierwelt so etwas wie eine Mondlandschaft, hier findet sich kein Wasser, keine Nahrung und keine Nistmöglichkeiten. Also eine tote, wertlose Landschaft.

Zu Guter Letzt sind da noch wir Menschen, wir selber und unsere Mitmenschen wie zum Beispiel Nachbarn. Wir bauen sündhaft teure Häuser und richten sie so ein, dass wir uns wohlfühlen. Auch Besucher wie Familie, Freunde und Nachbarn sollen sich wohlfühlen, dafür tun wir so einiges. Nur unsere Außenanlage, die wird vernachlässigt, da reicht Kies? Dabei wurde in Studien nachgewiesen, dass sich der Mensch im Grünen sehr viel wohler fühlt als in einer toten Steinlandschaft. Und da helfen auch nicht einzelne Solitärpflanzen, um einen Blumengarten zu ersetzen. Wenn zum Beispiel vor einem Haus im Frühjahr Tulpen und Narzissen blühen, ist das sehr ansprechend für die meisten Menschen.

Man kann also sagen, dass Kiesschüttungen in unseren Gärten sehr viele Nachteile haben. Dabei ist es sehr einfach, ein Blumenbeet anzulegen. Die wichtigsten Grundsätze zum Anlegen eines Blumenbeetes sind:

In einem Blumenbeet sollten mindestens 25 cm Erde (Mutterboden) vorhanden sein.

Bei der Auswahl der Pflanzen achtet man auf die Menge der Sonneneinstrahlung. Hierzu finden sich in jedem Fachmarkt Hinweisschilder, die die Pflanzen in drei Standortansprüche unterscheiden, sonnig, halbschattig und schattig.

Zur Pflanztiefe finden sich auch Hinweise auf den Schildern an den Pflanzen. Bei Pflanzen mit einem Wurzelballen (mit Erde) ist die Oberkante des Erdballens (der Pflanze) gleich tief mit dem Erdreich im Beet einzusetzen. Auch auf Abstände ist zu achten, natürlich gibt es auch hierzu Hinweise auf den Etiketten. Bei Fragen helfen auch gerne die Verkäufer der Fachgeschäfte weiter.

Aufkommende Wildkräuter sollten natürlich auch hier regelmäßig entfernt werden. Beachtet man dies, werden es (im Gegensatz zu Kiesschüttungen) nach 1 – 2 Jahren immer weniger Kräuter, die sich unerlaubt aussähen und heranwachsen. Hilfreich kann hier eine Mulchschicht sein, zum Beispiel aus Rindenmulch.

In den ersten 2 Jahren sollten die Pflanzen einmal pro Woche gut gewässert werden, wenn der Regen ausfällt. Ab dem dritten Jahr erreichen die Wurzel auch Wasser in tieferen Bodenschichten, so dass nicht mehr so oft gegossen werden muss.

Fazit:

Es spricht vieles dafür, keine Kiesschüttungen sondern Blumenbeete anzulegen. Dies ist nicht nur für uns, sondern auch für unsere Mitmenschen von Vorteil. Am meisten würden sich wohl die Insekten und die heimische Vogelwelt freuen, da sie hier unter anderem Nahrung finden. Dabei braucht man noch nicht einmal einen sogenannten grünen Daumen, ein Blumenbeet mit ein paar Blumenzwiebeln, Stauden und Sträuchern sollte wohl fast jeder erwachsene Mensch hinbekommen. Man muss sich nur trauen und wenn mal Fragen auftreten, stehen Familienmitglieder, Nachbarn und Freunde bestimmt auch mit einem Rat zur Seite.

Gutes Gelingen wünscht der NABU Selfkant

 

2 thoughts on “Das mit dem Kies

  1. So eine Gärten ist ökologisch eine Wüste. Gut das dies nach Vorne gebracht wird. Mit die ökologische Alternatieve kan das Leben zurückgebracht werden. Besser für Alle!

  2. * Mülchschicht vermeiden Sie gerne.. Sie bringt unnötig die pH nach unten. Auch haben heimische (bestäubende!) Insekten dann mehr Schwierigkeiten in den Boden zu wohnen und brüten.

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