Gift-Alarm in Wegberg – Vier tote Greifvögel im Tüschenbroicher Wald gefunden – 5.000 Euro Belohnung ausgelobt

Komitee gegen den Vogelmord e.V.

PRESSEMITTEILUNG – Dienstag, 02. März 2021
Kreis Heinsberg (NRW) / Artenschutz / Umweltkriminalität

 Wegberg. In und um das Naturschutzgebiet (NSG) „Tüschenbroicher Wald“ bei Wegberg-Uevekoven sind am Wochenende vier tote Greifvögel und mutmaßliche Giftköder gefunden worden. Wie das Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, wurden die streng geschützten Vögel – drei Mäusebussarde und ein Habicht – von Spaziergängern gemeldet und gestern nachmittag von Experten des Verbandes geborgen. „Der Habicht hatte einen vollen Kropf, muss also kurz vor seinem Tod noch etwas gefressen haben. Die drei Mäusebussarde lagen in der Nähe eines Fleischköders, von dem ein deutlich atypisch-chemischer Geruch ausging“ berichtet Ornithologe Marvin Fehn vom Komitee gegen den Vogelmord. Die Vögel und die Köderreste wurden als Beweismittel bei der Polizeiwache in Erkelenz abgegeben. Dort wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz sowie Tierquälerei eingeleitet. Eine Untersuchung beim Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamt in Krefeld (CVUA) soll nun klären, woran genau die Vögel verendet sind. „Aufgrund der Fundsituation besteht starker Vergiftungsverdacht“, so Fehn. Das Komitee ruft deshalb alle Hunderhalter dazu auf, ihre Tiere im Bereich Uevekoven und der Tüschenbroicher Mühle bis zur Klärung des Sachverhalts an die Leine zu nehmen.

Nach Angaben des Komitees sind die aktuellen Funde kein Einzelfall, sondern reihen sich ein in eine ganze Serie von kriminellen Vogelvergiftungen rund um das NSG Tüschenbroicher Wald, die bis in das Jahr 2008 zurückreicht und der bereits dutzende Tiere zum Opfer gefallen sind. Allein im März und April 2020 wurden in dem Bereich vier vergiftete Mäusebussarde, ein weiterer Habicht, eine als Köder präparierte tote Taube sowie zwei mit Gift behandelte Hühnereier gefunden. Laboruntersuchungen haben mittlerweile bestätigt, dass sowohl die Taube als auch die Eier mit einem verbotenen, hochgiftigen Insektizid präpariert waren, das später auch in den toten Greifvögeln nachgewiesen wurde. Laut Komitee handelt es sich dabei um ein Nervengift aus der Stoffgruppe der Carbamate, das auch für Menschen hochgefährlich ist.

„Das Naturschutzgebiet Tüschenbroicher Mühle und die angrenzende Feldflur sind eine Todesfalle für Greifvögel. Wir bedauern sehr, dass es den Behörden trotz zahlreicher Strafanzeigen und Meldungen bisher nicht gelungen, den oder die Giftleger zu überführen“, so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Der Naturschützer weist darauf hin, dass bei ähnlich gelagerten Fällen vor allem Jäger und Taubenzüchter als Beschuldigte in Erscheinung getreten sind. Im Falle einer Verurteilung drohen den Tätern bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder hohe Geldstrafen. Um die Ermittlungen der Polizei zu unterstützen, hat das Komitee eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise zur Aufklärung des Falls ausgelobt. Zeugen werden gebeten, verdächtige Funde oder Beobachtungen direkt an die Polizeiwache in Erkelenz oder das Komitee in Bonn (Tel. 0228-665521) zu melden.

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